Ein Bahnhof für Braunlage
Braunlage soll an das Streckennetz der Harzer Schmalspurbahnen HSB angebunden werden!
Gewünscht ist eine Streckenverlängerung der Harzquerbahn zwischen Elend und Braunlage.
Im Jahr 2025 wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt
– hier stellen wir die Ergebnisse vor.
Was sind die Vorteile?
Bessere Verkehrs-
und Lebensqualität
Die Rückkehr der Bahn wird nicht nur als verkehrliches Thema verstanden, sondern als bürgerschaftlich getragener Impuls für Identität, Aufenthaltsqualität und wirtschaftliche Entwicklung.
Reduzierung von
Umweltbelastungen
Gerade für ein Heilklima wie das von Braunlage ist saubere Luft ein zentraler Standortfaktor. Zudem schont der schienengebundene Tourismus die empfindlichen Ökosysteme des Nationalparks Harz.
Positive Impulse
für den Tourismus
Die Eisenbahn wirkt hier nicht nur als Verkehrsmittel, sondern als attraktives Erlebnisprodukt, das insbesondere für Familien eine hohe Anziehungskraft entfaltet.
Die Details:
Die neue Strecke
Die neue Strecke (rot) schließt unterhalb von Elend am Abzweig Wietfeld an die vorhandene Strecke der Harzquerbahn an.
Von dort führt sie ca. 5km westlich nach Braunlage, zumeist parallel zur B27 (gelb).
Der neue Bahnhof
Strategisch optimal an der Talstation der Wurmbergseilbahn, in der Nähe von Parkplätzen und dem Stadtzentrum. Dieser Ort besitzt hohe Sichtbarkeit und symbolische Kraft. Im Umfeld größerer Veranstaltungen kann dort eine visuelle Einfahrt in der Dunkelheit als emotionale Inszenierung erlebbar gemacht werden.
Ausstattung: 3 Gleise mit einer Nutzlänge von 135 m sowie Wasserversorgung für die Dampflokomotiven.
Geplante Infrastruktur
- zwei Straßenüberführungen B27 sowie „Große Wurmbergstraße“
- eine Eisenbahnüberführung
- 5 nicht technisch gesicherte Bahnübergänge
- Leit- und Sicherungstechnik
Geplante Infrastruktur – Kostenschätzung
Geschätzte Kosten insgesamt: 41,8 Mio. Euro
- Erdbau: ~14,9 Mio. €
- Sonstige Kosten: ~9,3 Mio. €
- Ingenieurbauwerke: ~6,5 Mio. €
- Planung & Nebenkosten: ~6,4 Mio. €
- Oberbau (Gleise etc.): ~4,7 Mio. €
Umweltaspekte
Verschiedene Naturschutzgebiete sind direkt oder indirekt betroffen:
- u.a. FFH-Gebiete, Nationales Naturmonument, Naturpark und andere Schutzgebiete
- die Schwere der Eingriffe wird geprüft und entsprechende Kompensationsmaßnahmen werden abgeleitet
Betriebskonzept
Zugzahlen:
6 Zugpaare, inkl. Dampfzugverkehr
Fahrplankonstruktion:
Annahme: 2-h-Takt
Streckenlänge:
Abzweig Wietfeld – Braunlage ca. 5 km
Fahrzeiten:
• Elend – Braunlage: 11,0 min
• Sorge – Braunlage: 22,5 min
Mögliche Ticket-Erlöse
Vergleich nach Szenarien im 20. Betriebsjahr
< Tabelle horizontal verschiebbar >
| Vergleich im 20. Betriebsjahr | Szenario I (Best-Case) Anteil Brocken-Verkehre 82% | Szenario II (Average-Case) Anteil Brocken-Verkehre 43% | Szenario III (Worst-Case) Anteil Brocken-Verkehre 3,5% |
|---|---|---|---|
| Fahrgastaufkommen (inkl. Neupotenziale) | 317.433 | 359.950 | 402.468 |
| Fahrgastaufkommen (nach Ticketverkäufen) | 206.331 | 233.968 | 261.604 |
| Erlöse aus Ticketeinnahmen (netto) | 4,37 Mio. € | 3,96 Mio. € | 3,73 Mio. € |
Geschichte(n)
Wieder ein Bahnhof für Braunlage
Die Idee einer Bahnverbindung von Elend nach Braunlage hat eine lange Vorgeschichte und diese zeigt ein fortwährend bestehendes Verkehrsbedürfnis in dieser Verbindung.
Die Planungen scheiterten mal an der Finanzierbarkeit, mal an zu gleicher Zeit konkurrierenden anderen Bahnprojekten, mal an der Befürchtung, bestehende Verbindungen unrentabel zu machen und gleich zwei Mal am Ausbruch der Weltkriege, die das 20. Jahrhundert erschütterten. Danach verhinderte vier Jahrzehnte die deutsche Teilung weitere Überlegungen.
Die wichtigsten Projekte im Überblick:
1899
Schon im August 1899 schuf die meterspurige Südharz–Eisenbahn (SHE), deren Hauptstrecke steil von Walkenried über Wieda in zahlreichen Windungen und Kehren Braunlage erreichte, mit der Zweigstrecke über Sorge nach Tanne Anschlüsse an die ebenfalls 1899 eröffnete Harzquerbahn (NWE) sowie an die Zahnradbahn der Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn von Tanne hinab in die damalige Kreisstadt Blankenburg.
1900 / 1905
Nachdem der Braunlager Fuhrherr Karl Buchholz 1900 eine Pferdeomnibus-Verbindung von Braunlage nach Elend und Schierke schuf, wuchs der Wunsch, eine Eisenbahn nach Elend zu erhalten, denn der Weg über Sorge war weiter, erforderte Umsteigen mit Reisegepäck über Treppenstufen und kostete viel Zeit. Der Wunsch führte im Jahr 1905 zu ersten konkreten Projekten.
1906
1906 plante man eine Verbindung zwischen einer neuen Bahnstation am Gütergleis der SHE in Höhe der 1905 eingestellten Glashütte im Norden Braunlages bis nach Elend.
1909
1909 führte der braunschweiger LKW- und Omnibusproduzent Heinrich Büssing eine Kraftomnibuslinie zwischen Braunlage und Elend ein.
1911
1911 prüfte die Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn die Übernahme der SHE-Zweigstrecke von Braunlage nach Tanne und deren regelspurigen Ausbau.
1912
1912 schlug der Kreis Blankenburg eine 8,2 km lange Bahnverbindung zwischen Braunlage und Elend vor, das von allen Beteiligten als „dringend wünschenswert“ bezeichnet wurde.
1913
Aus Kostengründen schuf man 1913 eine Gleisverbindung zwischen SHE und NWE in Sorge, um durch den Einsatz von Kurswagen das Umsteigen über die steile Böschungstreppe und später die Überführung über die Gleise der NWE mit Gepäckaufzug zu ersparen. Der Direktor der NWE, Regierungsbaumeister Uflacker gab zugleich den Hinweis, wenn die Gleisverbindung keine Besserung brächte, sofort mit den Vorbereitungen eines Bahnbaus zwischen Braunlage und Elend zu beginnen.
Ebenfalls 1913 begann die Halberstadt-Blankenburger Eisenbahn die Planungen für eine regelspurige Verbindung von Elbingerode über Elend, Braunlage und St. Andreasberg bis Herzberg.
1914
Die Südharz-Eisenbahn legte am 20.01.1914 ein überarbeitetes Projekt einer Bahnstrecke zwischen Braunlage und Elend vor.
Von dem Projekt Elbingerode-Herzberg wurde nur ein Gütergleis von Herzberg ins Siebertal zur Papierfabrik realisiert. Alles weitere verhinderte der Ausbruch des Ersten Weltkrieges.
1924
1924 kam abermals eine Bahnverbindung von Braunlage nach Elend ins Gespräch, wobei die SHE dieses Mal fürchtete, die Rentabilität ihrer schwach ausgelasteten Zweigstrecke nach Tanne zu verlieren.
1933
1933 wurde zum zweiten Mal das Projekt des regelspurigen Ausbaus der Bahnverbindung Braunlage-Sorge-Tanne im Rahmen von „Notstandsarbeiten“ geprüft.
1941
1941 wurde abermals ein Bahnanschluss nach Elend diskutiert.
1945
1945 musste die Zweigstrecke Braunlage-Sorge-Tanne aufgrund der Zonengrenze aufgegeben werden. Die Hoffnungen auf eine Wiederinbetriebnahme in den nächsten Jahren erfüllten sich nicht. Der Anschluss an die Harzquerbahn war damit verloren – scheinbar für immer, denn die Grenze wurde zunehmend undurchlässiger.
1962 / 1963
1962 wurde der Personenverkehr auch auf der Hauptstrecke Walkenried-Braunlage eingestellt. Ein Jahr später fuhr der letzte Güterzug auf der landschaftlich sehr reizvollen und von der Trassenführung außergewöhnlichen Bahnstrecke. Braunlage hatte nun keinen Anschluss an das Eisenbahnnetz mehr. Busse ersetzten die Bahnstrecke.
1990
Schon gleich nach der Wende und noch vor der Wiedervereinigung begann Silke Wagner als Studentin der Hochschule für Verkehrswesen in Dresden im August 1990 mit Überlegungen, eine Bahnverbindung von Braunlage an die Harzquerbahn zu schaffen. Entweder durch Reaktivierung der alten SHE-Verbindung nach Sorge oder einen Neubau direkt von Braunlage nach Elend. Sie legte ihre Ergebnisse in Form einer Diplomarbeit im Jahr 1991 vor.
2009
Im Jahr 2009 wurde abermals eine Anbindung Braunlages an die Harzquerbahn geplant. Die Harzer Schmalspurbahnen (HSB) gaben eine Studie in Auftrag, die mehrere Varianten zwischen Elend und Braunlage ausarbeitete. Die Planungen führten jedoch zu keinem Ergebnis.
2025/2026
Nachdem die bisherigen Überlegungen noch viele Varianten vorsahen, waren diese doch notwendig, um Klarheit über bestehende Möglichkeiten und Schwierigkeiten zu erlangen. Daraus gewann man Erkenntnisse, um letztlich jene Variante weiter zu konkretisieren, die den höchsten Nutzen für alle Beteiligten bringen wird.
Im Januar 2026 war es soweit: Die HSB stellte eine neue Studie vor, die wirtschaftliche Überlegungen sowie den erzielbaren Nutzen für die HSB, Braunlage und die gesamte Harzregion in den Vordergrund stellte.
Sie konzentriert sich auf die Variante eines Bahnanschlusses mit einem Bahnhof am Braunlager Großparkplatz. Man schließt damit direkt an die in unmittelbarer Nähe gelegene touristische Infrastruktur Braunlages an (Großparkplatz, Eisstadion, Wurmberg-Seilbahn, Skipisten und Downhill-Rollerstrecken sowie die lebendige Innenstadt und den einzigartigen Kurgarten). Letztlich ist es die mit Abstand sinnvollste Variante. Diese erfordert zwar etwas höhere Investitionskosten, ist jedoch bei den Folgekosten Folgekosten (keine Anlage neuer Parkmöglichkeiten, kein kostspieliger Buspendelverkehr zu einem abseits vom im Tal gelegenen Ortskern auf Bergeshöhe gelegenen Bahnhof). Und letztlich bringt diese Variante einem ungemein höheren Nutzen für alle Beteiligten allein schon durch die Planung eines Gleisdreiecks bei Elend, das die flexible Einbindung der neuen Strecke nach Braunlage in die bestehende Harzquerbahn gewährleistet und so betriebliche Abläufe und die Versorgung mit Verkehrsleistungen entlang der Harzquerbahn optimiert.
Es kann nur gehofft werden, dass diese Planungen nunmehr nach über 120 Jahren Vorüberlegungen und Planungen Braunlage wieder den ersehnten Anschluss an die Harzquerbahn bringt.
Nachfolgend einige Bilder, gesammelt von Winfried Dörner:















